Welche Medikamente nützen wem am meisten?

Hinter der Frage, was wem am meisten nützt, steckt die Frage, was uns ein Menschenleben wert ist. Medizinische Abwägungen von möglicher Wirkung und möglichen Nebenwirkungen sind anders geartet als ökonomische Abwägungen von Kosten und Nutzen. Wir zeigen auf, worauf dabei zu achten ist und welche Kalkulationen aus ethischer und rechtsstaatlicher Sicht inakzeptabel sind.

Handlungsbedarf

Immer häufiger sehen sich Medizinerinnen und Mediziner neben den Empfehlungen ihrer Fachgesellschaften mit diesen teilweise widersprechenden Empfehlungen anderer Gremien herausgefordert. In solchen Health technology assessment (HTA) wird mit dem Konzept qualitätsbereinigter Lebensjahre (QALY) gerechnet. Die Wissensasymmetrie zwischen Ökonomie und Medizin ist gross, entsprechend auch der Aufklärungsbedarf. Denn QALY-Berechnungen sind manipulierbar.

Unsere Engagements

Der Verein Ethik und Medizin Schweiz hat die strukturellen Mängel von HTAs mit QALY-Berechnungen aufgezeigt sowie verschiedene dieser Berechnungen reevaluiert und die Fehler bei den Autoren moniert. Die Vascular Risk Foundation Varifo, ein weiteres Fairfond-Engagement, hat die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeit und publiziert, welche darlegen, dass die Statin-Empfehlung des Swiss Medical Boards SMB sowohl medizinisch, als auch ökonomisch falsch ist.

Resultate

Der Autor des SMB-Statinberichts hat die Fehler seiner Berechnung zugegeben: Er hat für den Todesfall CHF. 8'500.- eingesetzt (analoge Berechnungen sehen 200‘000 € vor) und die Wirkung der Behandlungsdauer falsch extrapoliert (verdoppelt statt vervierfacht). Dass solche banalen Fehler übersehen wurden und die Behauptung, Statine würden pro Jahr 200'000 Franken kosten, unüberprüft abgeschrieben wurde, hat Medizin und Medien die Augen geöffnet.